Der Sonnensittich (Aratinga solstitialis) ist ein kleiner südamerikanischer Papagei von etwa 30 cm Länge und 100-130 g Gewicht. Ausgefärbte Vögel leuchten gelb und orange, Flügel und Schwanz zeigen Grün und Blau. Bei guter Haltung wird er häufig 20-30 Jahre alt. Drei Punkte prägen das Zusammenleben. Erstens die Lautstärke: Sein schriller Kontaktruf ist häufig und dringt durch Wände, was ihn für viele Mietwohnungen ungeeignet macht. Zweitens sein starkes Bedürfnis nach Gesellschaft; er möchte einen Großteil des Tages bei seinen Menschen sein. Drittens ist er stark futtermotiviert und daher leicht zu trainieren und zu handhaben. Wer mit dem Lärm leben kann, findet in ihm einen vergleichsweise unkomplizierten Einstieg in die Papageienhaltung. Die Wildbestände gelten als stark gefährdet.
Der Sonnensittich stammt aus einem kleinen Gebiet im Nordosten Südamerikas, vor allem aus den Rupununi-Savannen im Süden Guyanas sowie aus Teilen Surinams und dem angrenzenden Norden Brasiliens. Anders als viele Papageien lebt er nicht im geschlossenen Regenwald, sondern in offener Savanne mit Baumgruppen, in Palmenhainen und an Waldrändern. Schwärme ziehen zwischen Futterplätzen und gemeinsamen Schlafbäumen hin und her und fressen Früchte, Blüten, Samen und Nüsse. Der Fang für den Heimtierhandel hat die Bestände stark schrumpfen lassen; die IUCN stuft die Art inzwischen als stark gefährdet ein. Der laute Kontaktruf, der über offenes Gelände tragen soll, und die deutliche Unruhe beim Alleinsein erklären sich aus diesem Schwarmleben.
Erwachsene Sonnensittiche messen etwa 30 cm vom Scheitel bis zur Schwanzspitze und wiegen meist 100-130 g. Bei guter Ernährung und regelmäßiger tierärztlicher Betreuung ist eine Lebenserwartung von 20-30 Jahren realistisch. Jungvögel sind deutlich grüner, besonders an Rücken und Flügeln; das leuchtende Gelb-Orange der Altvögel entwickelt sich schrittweise über etwa die ersten ein bis zwei Jahre. Männchen und Weibchen sehen gleich aus, und weder Größe noch Kopfform sind verlässliche Merkmale. Wer das Geschlecht wissen möchte, etwa für eine Verpaarung oder um mit Eiablage rechnen zu können, lässt eine DNA-Geschlechtsbestimmung aus einer Feder- oder Blutprobe durchführen.
Sonnensittiche sind anhänglich, mutig und verspielt; viele lassen sich gern am Kopf kraulen und sitzen auf der Schulter. Der Preis dafür ist die Lautstärke. Ihr Kontaktruf ist ein schriller, oft wiederholter Schrei, der durch Wände dringt, meist am lautesten morgens und abends und immer dann, wenn der Vogel seine Bezugsperson nicht sieht. Die Sprachbegabung ist gering: Einzelne lernen ein paar Wörter, die meisten sprechen nie deutlich. Gut passt er in einen Haushalt, in dem tagsüber oft jemand zu Hause ist, in ein freistehendes Haus oder eine Doppelhaushälfte, zu Menschen, die laute Vögel wirklich nicht stören. Ungeeignet ist er für hellhörige Mietwohnungen, lärmempfindliche Nachbarn, Schichtarbeiter mit Tagschlaf und alle, die einen ruhigen Sprecher suchen.
Wählen Sie einen Käfig von mindestens 80 x 60 x 100 cm (B x T x H); die Länge ist wichtiger als die Höhe, denn Sonnensittiche klettern viel und fliegen kurze Strecken. Ein Gitterabstand von 1,5-1,9 cm verhindert, dass der Kopf stecken bleibt, und Draht von etwa 2 mm Stärke oder mehr hält einem eifrigen Nager stand. Geeignet sind Edelstahl oder hochwertige Pulverbeschichtung, nicht verzinkter Draht, der Zinkvergiftungen verursachen kann. Stellen Sie den Käfig mit einer Seite an die Wand in einen Raum, in dem sich die Familie aufhält, aber nicht in die Küche: Dämpfe überhitzter antihaftbeschichteter Pfannen sind für Vögel tödlich. Viele Sonnensittiche schlafen gern in einem Schlafhäuschen, das bei Weibchen allerdings Brutverhalten auslösen kann.
In der Natur fressen Sonnensittiche viel Obst und Blüten. In Menschenobhut bewährt sich eine Grundlage aus hochwertigen Pellets, etwa die Hälfte der Ration, ergänzt durch täglich reichlich Gemüse wie Paprika, Möhre, Brokkoli, Blattgrün und Kürbis. Obst ist willkommen, sollte wegen des Zuckers aber einen kleineren Anteil als Gemüse ausmachen. Sonnenblumenkerne, andere Saaten und Nüsse gehören in die Belohnungsdose, nicht in den Futternapf; körnerlastige Ernährung führt zu Übergewicht und Fettleber. Keimsaaten und gegarte Hülsenfrüchte sind sinnvolle Ergänzungen. Avocado, Schokolade, Koffein, Alkohol und salzige Knabbereien sind tabu. Wechseln Sie das Wasser täglich, denn Sonnensittiche tunken ihr Futter gern ins Trinkgefäß.
Rechnen Sie mit mindestens drei Stunden beaufsichtigtem Freiflug täglich, dazu Gesellschaft im selben Raum, während der Vogel im Käfig sitzt. Sonnensittiche nagen kräftig; sorgen Sie laufend für Spielzeug aus Weichholz, Karton, Palmblatt und Papier, das zerstört werden darf, und tauschen Sie es wöchentlich aus. Spielzeug, bei dem sich der Vogel sein Futter erarbeiten muss, verringert Langeweileschreien. Duschen oder besprühen Sie ihn mehrmals pro Woche, die meisten baden gern. Ein Sonnensittich, der einen ganzen Arbeitstag allein bleibt, wird meist lauter und beginnt womöglich zu rupfen. Das Gutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums zur Papageienhaltung empfiehlt die Haltung mindestens zu zweit; ein Artgenosse ist oft die beste Beschäftigung, auch wenn zwei Sonnensittiche lauter sind als einer.
Der Sonnensittich ist in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) und in Anhang B der EU-Artenschutzverordnung gelistet. Für den Verkauf innerhalb der EU ist daher keine Vermarktungsbescheinigung nach Artikel 10 erforderlich, der Verkäufer muss aber die legale Herkunft nachweisen können. Bewahren Sie alle Unterlagen, die Sie mit dem Vogel erhalten, einschließlich einer eventuellen Ringnummer, für seine gesamte Lebenszeit auf und geben Sie sie bei einer Abgabe weiter. In Deutschland unterliegen viele Arten der Anhänge A und B einer Meldepflicht bei der zuständigen Naturschutzbehörde; klären Sie vor dem Kauf, ob sie für Ihren Vogel gilt. Da die Wildbestände stark gefährdet sind, sollten Sie keinen Vogel ohne belegbare Herkunft erwerben.
Sonnensittiche sind selbstbewusst, futtermotiviert und leicht zu trainieren. Zielstab- und Stationstraining, Rückruf und einfache Tricks lernen sie schnell, und sie gehören zu den kleinen Papageien, die sich gut an ein Geschirr gewöhnen lassen. Vor allem aber ist Training Ihr wichtigstes Mittel gegen Lärm: Belohnen Sie ruhiges Verhalten gezielt, bringen Sie dem Vogel einen leisen Pfiff als Kontaktruf bei, auf den Sie antworten, und reagieren Sie nie auf Schreien, denn jede Reaktion verstärkt es. Kooperatives Pflegetraining, etwa das freiwillige Betreten der Waage, zahlt sich über zwei Jahrzehnte Tierarztbesuche aus.
Sonnensittiche sind anfällig für die Schnabel- und Federkrankheit der Papageien (PBFD) und für die Drüsenmagendilatation (PDD, ausgelöst durch aviäre Bornaviren). Stellen Sie jeden neuen Vogel daher 30-45 Tage in einem separaten Raum unter Quarantäne und lassen Sie ihn von einem vogelkundigen Tierarzt untersuchen. Bei Sittichen der Gattung Aratinga ist zudem ein noch wenig verstandenes Blutungssyndrom beschrieben: Unerklärliche Blutungen, blutiger Kot oder plötzliche Schwäche gehören noch am selben Tag in tierärztliche Hände. Körnerlastige Ernährung führt zu Übergewicht und Fettleber. Wiegen Sie wöchentlich auf einer Grammwaage, denn bei 120 g Körpergewicht sind 10 g Verlust ernst zu nehmen und mit bloßem Auge nicht erkennbar. Planen Sie eine jährliche Vorsorgeuntersuchung ein.
Mit einer Ernährung aus Pellets und Gemüse, einer sicheren Umgebung und regelmäßiger vogelkundiger Tierarztbetreuung werden Sonnensittiche häufig 20-30 Jahre alt, manche auch älter. Schlechte Ernährung verkürzt das Leben deutlich: Körnerfresser entwickeln oft schon im mittleren Alter Übergewicht und Fettleber. Wer einen jungen Sonnensittich kauft, sollte für zwei bis drei Jahrzehnte planen und auch regeln, wer den Vogel übernimmt, falls sich die Lebensumstände ändern.
Für seine Größe sehr laut. Der Kontaktruf ist ein hoher, schriller Schrei, der durch Wände dringt und oft wiederholt wird, wenn der Vogel Sie nicht sieht, besonders morgens und abends. Training kann das Schreien verringern, aber nicht abstellen. Die Sprachbegabung ist bescheiden: Manche lernen eine Handvoll Wörter mit kratziger Stimme, viele sprechen nie deutlich. Wenn Ruhe oder Sprechen für Sie wichtig sind, wählen Sie besser eine andere Art.
Für die richtigen Anfänger ja. Sonnensittiche sind gut zu handhaben, lernen über Belohnung schnell und sind bei guter Ernährung robust. Das Problem ist die Lautstärke, einer der häufigsten Gründe, warum sie wieder abgegeben werden. Wer im eigenen Haus lebt, viel zu Hause ist und laute Rufe wirklich akzeptiert, kommt gut zurecht; in einer Mietwohnung mit Nachbarn Wand an Wand gelingt das meist nicht.
Mindestens 80 x 60 x 100 cm (B x T x H) mit 1,5-1,9 cm Gitterabstand und stabilem, nicht verzinktem Draht. Das ist die Untergrenze für einen Vogel, der zusätzlich täglich mehrere Stunden Freiflug bekommt; größer und vor allem länger ist besser. Planen Sie Sitzstangen unterschiedlicher Stärke, einen Bereich für die Futtersuche und Platz für Spielzeug ein, ohne dass die Flügel anstoßen.
Weil Jungvögel so aussehen. Junge Sonnensittiche haben deutlich mehr Grün an Rücken und Flügeln, und das Gelb-Orange der Altvögel breitet sich mit jeder Mauser über etwa die ersten ein bis zwei Jahre aus. Ein grüner Jungvogel ist weder eine andere Art noch ein Zeichen schlechter Gesundheit. Wirkt die Umfärbung sehr fleckig oder sehen die Federn auffällig aus, lassen Sie ihn von einem vogelkundigen Tierarzt untersuchen.